2007-10-18 – The well dressed Wench – weibliche Piraten

Überraschung: Es gibt keinen “Dresscode” für weibliche Piraten.

Es gibt ein paar Piratinnen von denen wir wissen, und diese haben sich meist nach der Männermode gekleidet. Wird auch praktischer gewesen sein.

In der amerikanischen GaoP-Reenactmentscene gibt es viele Frauen die sich dafür entscheiden als “Schankmaid” aufzutreten.

Und natürlich könnte man als Frau auch enführt worden sein, aber ich denke nicht, dass wir die richtigen dafür sind. Arrr! Und außerdem wäre in unserem Fall dann wohl Elbenkleidung angebrachter.

Und auch heute wieder der Hinweis: Der Herr der Ringe ist ein Fantasy-Buch. Wenn es um Piratendarstellung aus dem Herrn der Ringe geht, dann können wir uns an historische Überlieferungen halten, müssen aber nicht.

Hier jedenfalls mal ein kurzer Überblick über die weibliche Kleidung zu dieser Zeit.

Kenne deinen Feind – The Getting Dressed Guide for Women – 1680s-1720s

Kleiner Hinweis zum Anfang. Wir sprechen hier in etwa von der Zeit in der auch das Friedberger Altstadtfest spielt. Nur halt in Bayern und nicht in der Karibik.

Unterkleid

Kemma eh schon. War in etwa wie die Männervariante, bloß länger.

Petticoats

Röcke, mindestens zwei.

Der Schnitt ist recht einfach. Zwei Stoffteile zusammen nähen und am Bund in Falten legen. Die Schuhe sollten sichtbar sein, also nicht zu lang. Röcke sollten nicht gerafft werden. Man könnte ja eure Beine sehen.

Schnürbrust (Stays)

Waren angeblich recht bequem, auch wenn ich’s nicht so recht glauben kann.

Es gab vollverstärkte, und auch halbverstärkte Varianten. Vollverstärkt bedeutet, dass die Stäbe (Fischgrat) nebeneinander liegen. Bei der halbverstärkten Variante ist bis zu 2cm Platz zwischen den Stäben. Ist also keine Vergleich zu den Corsagen die wir zu Hause im Schrank haben, und die mit etwa 8 Stäben insgesamt auskommen. Es scheint auch möglich gewesen zu sein die Dinger mit Hanfschnüren zu verstärken Ich trage mich mit dem Gedanken, das mal auszuprobieren.

Wichtig ist, dass eine konische Oberkörperform erreicht wird, wie sie auf entsprechenden Zeichnungen zu sehen ist.

Achtung: Die Schnürbrust wurde nicht kreuzweise geschnürt, sondern spiralförmig.

Schuhe

Da haben wir das gleiche Problem wie bei den Männern.

Kopfbedeckungen

Frauen haben eigentlich keine Dreispitze getragen, außer zum Reiten. Es wurden verschiedene andere Kopfbedeckungen getragen. Die meisten waren Varianten einer Kappe wie sie auch auf der Friedberger Zeit getragen wird.

So eine Kappe hatte und hat zwei Vorteile: Sie hält das Haar aus dem Gesicht und verhindert, dass es dreckig wird. Die Kopfbedeckung sollte das ganze Haar aufnehmen, wobei ein bisschen davon auch gezeigt werden durfte. Die Hauptmasse sollte aber verborgen sein. Falls keine Kappe getragen wurde, wurden die Haare immer hoch gesteckt.

Über der Kappe konnte ein Hut getragen werden. Ende des 17. Jahrhunderts waren schwarze oder weiße Hüte sehr beliebt.

Schultertuch

Schultertücher waren sehr beliebt und sehr einfach herzustellen: Ein quadratisches Stück Leinen, zum Dreieck gefaltet. Der Zipfel nach hinten und die Enden über der Brust überkreuzt und festgesteckt oder verknotet. Sie scheinen ziemlich essentiell gewesen zu sein.

— hier endet die Grundausrüstung —-

Manteu

Eine Mischung aus Robe und Mantel, die über der Kleidung getragen wurde. Sie war vorne offen und wurde oft kunstvoll um den Hintern herum drapiert.

Strümpfe

siehe Männer

Schürze

Ein Rechteck aus Leinen mit einer Schnur dran. Wurde über dem obersten Rock getragen.

Selbstverständlich, wenn es was zu Arbeiten gab. Interessanterweise waren sie aber auch beim Adel sehr beliebt, da man dachte sie sähen sehr weiblich aus.

Taschen

An einem Bändel um die Hüfte gebunden und unter dem obersten Rock getragen.

Was man auf gar keinen Fall tun sollte:

  • Stiefel tragen
  • ein Renaicance-Mieder tragen
  • die nackte Schulter zeigen
  • Röcke raffen
  • die Schnürbrust kreuzweise schnüren
  • das Haar runterhängen lassen

Diese Infomationen sind aus diversen Quellen zusammengetragen. Außer den schon genannten Seiten ist noch www.marquise.de interessant.